Wecker nicht gehört? Was Tiefschläfer wirklich weckt
Die meisten hören den Wecker durchaus. Was Tiefschläfer im Bett hält, welche Töne im Schlaflabor am besten weckten und was hilft, wenn gar nichts mehr hilft.
Hören Tiefschläfer den Wecker wirklich nicht?
Meist schon. Den klarsten Test liefert die Forschung zu Rauchmeldern. In einer Studie in Ohio schliefen 150 gesunde Erwachsene zwischen 20 und 49 Jahren in einem Laborschlafzimmer. Jeder wurde aus dem Tiefschlaf von vier verschiedenen Alarmen geweckt, mit 85 Dezibel am Kopfkissen.[1]
Alle bis auf einen wachten bei allen vier Alarmen auf und gingen aus dem Zimmer. Die eine Ausnahme verschlief den hohen Piepton. Mittlere Zeit bis zum Aufwachen: 2 Sekunden beim hohen Alarm, 1 Sekunde bei den anderen.[1]
Warum fühlt es sich dann so oft an, als hätte der Wecker nie geklingelt? Eine häufige Antwort: Du bist aufgewacht, hast ihn ausgeschaltet und bist wieder eingeschlafen. Und erinnerst dich vielleicht nicht daran. In einer Laborstudie zum Gedächtnis beim Einschlafen konnten sich Menschen, die danach 10 Minuten schliefen, kaum an Wortpaare erinnern, die sie in den drei Minuten vor dem Einschlafen gehört hatten. Nach nur 30 Sekunden Schlaf trat diese Lücke nicht auf.[9]
Das passt zu einem bekannten Morgen: Ein Wecker, den du ausgeschaltet und verschlafen hast, kann sich anfühlen wie einer, der nie geklingelt hat. Es heißt auch, dass das zweite Problem, wach zu bleiben, so viel Aufmerksamkeit verdient wie das erste.
Was macht das Aufwachen schwerer?
Tiefschlaf. Je tiefer der Schlaf, desto lauter muss ein Ton sein, um dich zu wecken. In einer Laborstudie mit 10 Männern hielten Forschende die Teilnehmer zwei Nächte lang aus dem Tiefschlaf heraus. In der Erholungsnacht hatten sie mehr Tiefschlaf, und es brauchte einen lauteren Ton, um sie zu wecken. Dieselbe Studie fand, dass die nötige Lautstärke im Lauf der Nacht stetig sank.[2]
Zu wenig Schlaf und andere Risiken. Eine Übersichtsarbeit zur Forschung über das Wecken im Notfall nennt, was Menschen eher weiterschlafen lässt: viel Hintergrundlärm, ein tiefer Schlaf, Schlafmangel, Kindesalter, Schlafmittel, Alkohol und Hörverlust.[3]
Zur falschen Zeit für deine innere Uhr geweckt werden. Eine klinische Übersicht beschreibt Menschen, deren innere Uhr spät geht, die von 3 bis 11 Uhr schlafen würden, wenn sie könnten, aber um 8 aufstehen müssen. Die Übersicht nennt zwei wahrscheinliche Gründe, warum das Aufwachen für sie so schwer ist: aufgebaute Schlafschuld und eine innere Uhr, die noch auf Schlaf steht.[8]
Welche Wecker wecken am besten?
Das meiste, was wir wissen, stammt aus Studien zu Rauchmeldern, bei denen viel auf dem Spiel steht und das Aufwachen genau gemessen wird. In einigen Punkten sind die Ergebnisse einheitlich.
| Was dich weckt | Was die Studien fanden | Evidenz |
|---|---|---|
| Ein tiefer Piepton | Bei 39 jungen Erwachsenen im Tiefschlaf weckten tiefe Rechteck-Pieptöne (400 und 520 Hz) schon bei geringerer Lautstärke als die anderen Töne.[4] Bei Erwachsenen mit Hörverlust weckte der 520-Hz-Ton 92 %, der übliche hohe Alarm 56 %.[5] | Starker Beleg |
| Eine menschliche Stimme | Kinder: Eine aufgenommene Stimme weckte 86 bis 91 %, ein hoher Ton 53 %.[6] Gesunde Erwachsene: Eine Stimme weckte sie so schnell wie ein tiefer Ton.[1] | Einiger Beleg |
| Den eigenen Namen hören | Der Vorname des Kindes in der Sprachnachricht weckte nicht mehr Kinder als dieselbe Nachricht ohne Namen.[6] | Einiger Beleg |
| Ein Bett- oder Kissenvibrator | Weckte 80 bis 84 % der Erwachsenen mit Hörverlust, in der Stärke ab Werk.[5] | Einiger Beleg |
| Ein Blitzlicht | Weckte 27 % der Erwachsenen mit Hörverlust, sogar heller als die US-Norm.[5] In einer anderen Studie weckten Stroboskope nicht zuverlässig, selbst mit dem Licht direkt über dem Gesicht.[7] | Einiger Beleg |
Zwei Einschränkungen. Das sind Notfallsignale, einmal getestet, meist im tiefsten Schlaf der Nacht. Da die nötige Lautstärke im Lauf der Nacht sinkt,[2] hat ein Wecker am Morgen es leichter als diese Tests. Und was dich am schnellsten weckt, ist eine andere Frage als das, was dich danach am wenigsten benommen zurücklässt. Für die Benommenheit gibt es bei Erwachsenen nicht genug Belege, um zu sagen, welcher Weckton am besten wirkt:[10] Schlaftrunkenheit, erklärt.
Hören ist die halbe Arbeit. Aufbleiben ist die andere Hälfte
Wenn du vom Wecker aufwachst, dich aber wieder im Bett findest, hilft ein lauterer Ton nicht. Was hilft: Das Ausschalten oder die Minuten danach so gestalten, dass sie ein waches Gehirn brauchen.
Es gibt keine Studien zu Weckern, bei denen man eine Aufgabe lösen muss, bevor sie verstummen, oder die ein paar Minuten später noch einmal nachfragen. Die Idee folgt aber aus der Forschung oben. Wenn das Problem ist, im Halbschlaf auszuschalten und binnen Minuten wegzudämmern, dann trifft alles, was dich in diesen Minuten wach hält, genau das eigentliche Problem. Die einfachste Variante kostet nichts: Stell den Wecker so, dass du aufstehen musst, um ihn zu erreichen.
Und die Schlummertaste? Die Forschung ist klein und gespalten. In einer schwedischen Laborstudie mit 31 Gewohnheits-Schlummerern schadete eine halbe Stunde Schlummern ihren Testergebnissen nicht;[11] in einer japanischen Laborstudie mit 10 Studierenden verlängerte die Schlummerfunktion die morgendliche Benommenheit.[12] Mehr zu beiden in unserem Artikel über Schlaftrunkenheit.
Wenn es mehr ist als ein tiefer Schlaf
Es gibt auch eine seltenere Ursache. Die idiopathische Hypersomnie ist eine neurologische Schlafstörung: Tagesmüdigkeit trotz langer Nächte, Schlaf, der nicht erholt, und große Mühe beim Aufwachen.[8] Fast die Hälfte der Betroffenen hat eine krankhafte Form der Schlaftrunkenheit, in der Fachliteratur „sleep drunkenness“ genannt: ein Aufwachen, das viel schwerer und länger ist als die normale morgendliche Benommenheit.[8]
Wenn du regelmäßig sehr laute Wecker verschläfst, lange schläfst und tagsüber trotzdem müde bist, lohnt sich ein Arztbesuch. Die Diagnose stützt sich auf deine Vorgeschichte und auf objektive Schlaftests.[8]


